Dienstag, 23. Juli 2019

Fünfzehn Mann auf des Totenmanns Kiste


Ab 18. August kapern Piraten die Greifensteine: auf der Suche nach dem legendären Piratenschatz von Captain Flints Mannschaft, der auf der Schatzinsel vermutet wird, sind zahlreiche gefährliche Abenteuer zu bestehen.

Der Roman "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson lieferte die Vorlage für dieses spannende Stück - entstanden ist ein mitreißendes Musical von Dennis Martin, das erst 2015 beim Fuldaer Musicalsommer mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Dabei geht es um die Enstehung dieses Romans: wir werden Zeuge, wie Stevenson den Roman quasi erfindet und die Szenen lebendig werden, sehr geschickt werden mehrere Spielebenen miteinander verwoben. Und das ganze mit einer tollen Musik: eingängige Melodien, tolle Arrangements, fetzige Massenszenen, anrührende Balladen werden garantiert das Publikum begeistern.

Besetzt sind u.a. unser Musical-Traumpaar Nick Körber (Louis) und Kerstin Maus (Fanny).

Übrigens o.g. Spruch war das Erkennungszeichen von Flints Mannschaft...

Kritik in der Freien Presse

Donnerstag, 9. Mai 2019

...und wieder eine verkehrspolitische Bankrotterklärung...

Die (Wieder-)Anbindung von Chemnitz an das IC-Netz und damit den Fernverkehr der Bahn ist wieder mal in weite Ferne gerückt: fehlender Fahrdraht in Bayern, ein (!) fehlendes Fahrzeug, man sollte doch noch bis frühestens 2028 warten (weitere 9 Jahre), bevor eventuell der Düsseldorfer IC von Gera bis nach Chemnitz verlängert wird.

Ein unsägliches Trauerspiel auch der Krampf um die Elektrifizierung der Strecke nach Leipzig, da wird lieber Fahrdraht auf Autobahnen gespannt, als diese wichtige Verbindung endlich zu ertüchtigen, abgesehen vom alten Wagenmaterial, das auf der Strecke rollt. Klimawandel? Verbindung zwischen 2 Großstädten? Gleiche Lebensverhältnisse in Deutschland? Attraktiver Verkehr, Alternativen zum Auto? Nicht in Chemnitz, die Stadt und ihre Bewohner (ca. 250.000) sind es wohl einfach nicht wert, wahr-und-ernstgenommen zu werden.

Warten auf Godot, auf den Sankt-Nimmerleins-Tag... Ohne Auto bleibt man in der Region aufgeschmissen, es gibt keine ernsthaften Alternativen. Toll, daß der Deutschlandtakt zwischen Hamburg und Berlin eingeführt wird, daß der ICE zwischen München und Berlin fährt: nur hier in Sachsen haben wir davon überhaupt nicht, es ist ziemlich irrelevant; die einfachsten Grundbedürfnisse im Bahnverkehr werden nicht befriedigt. Auch ein Forschungscampus im Erzgebirge führt leider nicht dazu, daß man von Annaberg mit dem Zug regelmäßig nach Aue (Bahnstrecke vorhanden) fahren könnte.

Was für eine Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte (die CDU hat das ja wohl zu verantworten)! Handlanger der Autoindustrie mit Verkehrskonzepten aus der Mottenkiste, hat man die letzten Jahre offenbar verschlafen. Wieso bekommen das unsere Nachbarländer (Schweiz, Frankreich, Spanien) viel besser in den Griff??? Hochtechnologieland Deutschland???

Bericht in der Freien Presse

update: Bei einer Informationsveranstaltung von Bahn und Politik am 10.7.2019 im Chemnitzer Rathaus wurden konkrete Zahlen genannt: demnach gibt es eine Chance auf Fernverkehr ab Dezember 2019 (Linie Rostock-Berlin-Dresden bis Chemnitz), Intercity-Linie 17).

Mit der Verlängerung der Linie über Zwickau bis nach München ist wohl erst nach dem Jahr 2030 zu rechnen (fehlender Fahrdraht zwischen Hof und Regensburg).

Die Verlängerung der Intercity-Linie Düsseldorf-Gera bis Chemnitz sei wohl frühestens ab 2028 möglich, da auch hier die Strecke zwischen Weimar-Gera und Gößnitz erst noch elektrifiziert werden muß.

zur Leipziger Strecke: die Bahn rechnet mit dem Abschluss der Elektrifizierung Ende der 2020er-/Anfang der 2030er-Jahre.

Was soll man noch dazu sagen? Wenn das mal keine großartigen Aussichten sind...

Sonntag, 14. April 2019

Plauener "Königskinder"

Nachdem wir im letzten Weihnachtskonzert die Konzertouvertüre aus den "Königskindern" von Humperdinck gespielt hatten, war ich sehr neugierig, die komplette Oper einmal auf der Bühne zu erleben. Dazu hatte ich in Plauen Gelegenheit, wo am 13.4.2019 letztmalig die Produktion des Plauen-Zwickauer Theaters zu sehen und zu hören war.

Kurz gesagt: es war großartig, Bravo und Gratulation zu dieser grandiosen Leistung!

Das Orchester war hinter den Sängern auf der Bühne plaziert, die dadurch die Vorbühne spielerisch nutzten und direkt bis an die erste Reihe heranspielen konnten. Meine anfängliche Skepsis, daß dadurch viel Klarheit und viele Details/Farben des Orchester verloren gingen, wurde aufgewogen durch den Gewinn an Textverständlichkeit, Sängerpräsenz und die perfekte Lautstärkemischung zwischen Gesang und Orchester - es war den Sängern durchgängig möglich, viele Farben einzubringen und es entfiel die Notwendigkeit, ständig über das Orchester kommen zu müssen bzw. dagegen anzusingen. Auf diese Art hat man wundervolle Piano-Töne bei allen gehört, die Gänsehaut erzeugten und das Gehör unglaublich sensibel einstellten - eine Seltenheit bei solch spätromantischen Opern.

Gratulation den Protagonisten des Stückes: Marija Mitić (Gänsemagd), Wonjong Lee (Königssohn) und Sebastian Seitz (Spielmann) erwiesen sich als die perfekten Sänger für dieses Stück: wunderschöne hochkultivierte und ergreifende Stimmen; mit den Tugenden des Liedgesangs konnten sie ohne je zu forcieren die Partien ausdrucksstark gestalten. Durch die große Nähe zum Publikum bekamen die Szenen etwas Kammerspielartiges, so deutlich konnte man die Geschichte auch in den Gesichtern mitlesen.

Bravo an das Orchester und seinen Dirigenten GMD Leo Siberski: wundervolle Klangfarben wurden entfaltet, das ganze hatte einen schönen und organischen Fluß, die nötige Leidenschaft, die Koordination mit den bestens studierten Sängern gelang wundervoll.

Der gutgefüllte Zuschauerraum hat sicher auch die Theaterleitung darin bestätigt, diese Rarität auf den Spielplan gesetzt zu haben, für mich bot der Abend ein großes eindrückliches Erlebnis.

Natürlich wird auch in Plauen (nur) mit Wasser gekocht: so waren auch Sänger zu hören, die der Nähe zum Publikum mißtrauten und durch unnötiges Forcieren den Zauber der Musik beeinträchtigen, der Chorklang konnte mit den Protagonisten nicht mithalten, die Vorstellung wurde am Beginn des 3. Aktes, der ziemlich leise ist, durch laute Geräusche aus dem Foyer gestört - aber das erlebt man auch an anderen Häusern, das nicht immer die Sensibilität fürs Bühnengeschehen vorhanden ist.

Weiter auf diesen Weg, das war eine Bravourleistung! Auch sollte man diese neue Sängerriege weiter im Auge haben!

Donnerstag, 17. Januar 2019

Internetkriminalität - hautnah erlebt!

Während in letzter Zeit der Datendiebstahl von Politikern und Prominenten in den Schlagzeilen war, kann ich (wiedermal) eine eigene Geschichte erzählen:

Kurz vor Weihnachten bekam ich eine Mail von booking.com, in der eine Hotelbuchung im Sheraton Hotel Los Angeles über 10.660 US-Dollar bestätigt wurde, kurz danach eine Mail, in der mitgeteilt wurde, daß die Kreditkarte nicht belastet werden konnte: ich solle doch bitte meine Daten aktualisieren. Ich hatte mich daraufhin sofort mit booking.com in Verbindung gesetzt, dort existierte diese Buchung, ich hab sie sofort als Betrugsversuch gemeldet.  In meinem Kundenkonto tauchte sie nicht auf, war aber im System vorhanden.

Nun das weitere Prozedere: Karte sperren, neue beantragen, Anzeige bei der Polizei erstatten, tägliches Prüfen meines Kontostandes auf unerlaubte Abbuchungen. Entwarnung kam kurz vor Silvester von booking.com: die Buchung wurde kostenfrei storniert.

Mein Glück war höchstwahrscheinlich, daß es für Kreditkarte und Abhebungen Limits bei der Bank gab, die durch diese Buchung deutlich überschritten wurden - deshalb wurde wohl die Karte abgelehnt. 

Unklar ist, ob die Täter ermittelt werden können, vermutlich hat jemand meinen Account gehackt und versucht, mittels so einer Buchung an Geld zu kommen, vielleicht hat auch jemand im System booking.com unerlaubten Zugriff auf meine Daten gehabt; noch ermittelt die Polizei. Da jedoch booking.com in der Niederlande sitzt, ist es leider für die Polizei nicht so einfach, an die benötigten Daten in diesem Fall zu kommen.

Was kann man daraus lernen? Nur das Nötigste an Kreditkarten-u.-Kontodaten preisgeben, diese Daten möglichst nicht dauerhaft auf den Seiten hinterlegen, sichere und unterschiedliche Paßwörter verwenden, die nach Möglichkeit nicht zu erraten sind. Überprüfen der Banklimits der Kreditkarten, häufigeres checken des Kontos.

Besonders fies: das ganze fand über Weihnachten statt: eine Zeit, in der man sich nun wirklich nicht mit solchen Sachen beschäftigen will, in der jede Behörde, jedes Office unterbesetzt ist.

Deshalb: VORSICHT, AUGEN AUF!!!

Update: Aus einer Meldung bei Netzwelt.de geht hervor, daß die Sheraton-Hotelkette offenbar gehackt wurde und massenweise Daten abgegriffen wurden, das dürfte auch die Ursache für den oben beschriebenen Betrug sein.

Samstag, 29. Dezember 2018

Jauchzet, frohlocket!

Zu besonders schönen und ergreifenden Ereignissen wurden für mich die diesjährigen Weihnachtskonzerte im Dezember: zunächst das 4. Sinfoniekonzert, das wir 2 mal in Annaberg und 1 mal in Aue aufführten und danach 2 Konzerte mit Weihnachtsliedern in Seiffen und Olbernhau.

Mittlerweile Tradition (nach 13 Jahren) und doch immer wieder spannend: unser 4. Sinfoniekonzert. In diesem Jahr haben wir den Bogen vom Barock bis in die Spätromantik gespannt: eigentlich gab es nur Werke zu hören, die den meisten Zuhörern unbekannt gewesen sein dürften: herrliche Barockmusiken von Brescianello und Heinichen, Ausschnitte aus "Knecht Ruprechts Werkstatt" von Kienzl, die "Königskinder"-Ouvertüre von Humperdinck, Mendelssohns Trompeten-Ouvertüre und das "Laudamus te" aus Mozarts c-Moll-Messe. Sehr gefreut habe ich mich über zahlreiche Rückmeldungen des Konzertpublikums: jeder hat etwas anderes für sich in dem Programm gefunden - und alle waren erstaunt. Für mich eine schöne Bestätigung, weiter nach interessanten "unerhörten" Werken zu suchen. Nicht zu vergessen: das gemeinsame Weihnachtsliedersingen: es macht große Freude zu erleben, wie wir damit das Publikum direkt ansprechen können.


Gemeinsam mit den Sängern Marlen Bieber und Richard Glöckner gestalteten wir ein Programm unter dem Titel "Alle Jahre wieder" mit Weihnachtsliedern, am Klavier und an der Orgel begleitet. Ich hatte erstmals Gelegenheit, in der Bergkirche Seiffen zu musizieren: Weihnachten in seiner schönsten Form. Diese Kirche nimmt einen sofort gefangen durch ihre besondere Atmosphäre, ein sichtlich ergriffenes Publikum lauschte und man hatte das Gefühl, absolut am richtigen Ort zu sein. Auch das 2. Konzert im Theater Variabel in Olbernhau wurde zu einem beglückenden Ereignis, ich habe sehr viele herzliche und sympathische Menschen kennengelernt. Das war der perfekte Höhepunkt der Weihnachtszeit und ein schöner Jahresabschluß für mich!

Freitag, 14. Dezember 2018

Machtmißbrauch am Theater


Wiebke Göetjes spricht in diesem Interview über Machtmißbrauch am Theater - ähnliches kann wohl jeder Künstler, der nicht zur obersten Leitungsetage gehört, berichten.

Mittwoch, 28. November 2018

Donnerstag, 20. September 2018

There´s no business like showbusiness

...das kann man wohl nach 30 Theaterjahren sagen: und es wird auch in der neuen Spielzeit spannend bleiben: meine Highlights der Saison: im Oktober die Premiere "Annie Get Your Gun" (aus dem obiges Zitat stammt), im Dezember das Weihnachtskonzert (4. Sinfoniekonzert) und im März der "Bettelstudent". 

Rückschau: die diesjährige Greifenstein-Saison war wohl zahlenmäßig die bisher erfolgreichste: wir konnten knapp 42.000 Besucher im Sommer dort begrüßen. Tolle Motivation, wenn der Zuschauerraum jedesmal gut gefüllt ist - das wünschen wir uns jetzt auch für die Hausspielzeit!

In diesem Sinne: There´s no business like showbusiness...

Sonntag, 29. Juli 2018

So geht sächsisch???

Wie jetzt bekannt wurde, hat das Land Sachsen für seine Werbekampagne "So geht sächsisch" in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 17,2 Milliarden Euro an Steuergeldern ausgegeben. Schlicht und einfach skandalös: vor allem wenn man die große Lücke zwischen Lebensrealität und Wunschdenken  der CDU betrachtet.

Gefördert wurden u.a. der Ski-Weltcup 2018 am Elbufer in Dresden mit mehreren Tonnen Kunstschnee...mittlerweile zerronnen...Werbung für Polizisten und Lehrer - nachdem die Jahre zuvor massiv Stellen abgebaut wurden

Das Geld wäre viel besser in realen Projekten - wie die Förderung der Kultur (Stichwort Haustarifverträge der Theatermitarbeiter - mittlerweile 12 Jahre!) angelegt: die Lebensqualität in den ländlichen Räumen sollte deutlich verbessert werden (Infrastruktur, gesellschaftliches Leben, Teilhabe, Kultur) - die bessere Zufriedenheit der Menschen würde dann schon für sich sprechen.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Wo bleibt die Menschlichkeit?

Die Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: nach dem Versuch des Durchdrückens bayerischer Politik in der Flüchtlingsfrage (quais eine Erpressung Merkels, ein Putsch der sog. Schwesterpartei CSU) und der damit verbundenen Destabilisierung Deutschlands und der weiteren Spaltung der Bevölkerung erwägt nun Minister Seehofer, die Mannschaft der "Lifeline", die unter großem Einsatz Flüchtlinge aus dem Mittelmeer vor dem sicheren Tod rettet, zu verklagen: wie schäbig ist das denn? Kreuze in Bayern aufhängen und zuschauen, wie Menschen ertrinken und mögliche Retter zu bestrafen?

weitere Infos zum Verein "Lifeline" hier

Interview mit dem Kapitän der "Lifeline", Claus-Peter Reisch in der Münchner Abendzeitung von 22.7.2018

Artikel 1 unseres Grundgesetzes:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Freitag, 20. April 2018

zu dritt oder zu viert - Musik für Streicher

Zu einem Kammermusikabend mit Werken für Streicher möchten wir Sie ganz herzlich am 25. April um 19.30 Uhr in den Erzhammer einladen. Im Rahmen des "Konzertmittwochs im Erzhammer" erklingen das Terzett für 2 Violinen und Viola von Antonin Dvorák und seine "Miniaturen" für dieselbe Besetzung. 

Eine Rarität wird im 2. Teil des Konzerts zu hören sein: das Streichquartett fis-Moll des Annaberger Komponisten Peter Gast (Heinrich Köselitz), musiziert von Dirk Bores, Sophie Keiter (Violine), Katharina Overbeck (Viola) und Tilman Trüdinger (Cello).

Das ursprünglich geplante Klavierquintett von Reynaldo Hahn mußte leider wegen meiner Erkrankung abgesagt werden...

Freitag, 9. März 2018

"Blütentraum" vorerst ausgeträumt

Wie das Leben so spielt...Durch eine Erkrankung ist es mir leider nicht möglich, die Endproben und die Premiere "Blossom Time"zu leiten - unser Studienleiter Karl-Friedrich Winter wird diese Arbeit übernehmen. Ich wünsche allen KollegInnen viel Erfolg und eine schöne Premiere!


Montag, 12. Februar 2018

Schaut her, er ist´s!

Da staunten Orchestermusiker und das Publikum gestern sicher nicht schlecht, als GMD Takahashi statt meiner Person am Pult stand und die Klassik am Nachmittag dirigierte: mich hatte kurzfrstig die Grippe heimgesucht, so daß ich das Dirigat absagen mußte - innerhalb eines Vormittages hat Herr Takahashi das Programm übernommen und um 15 Uhr das Konzert dirigiert: eine großartige Leistung, meinen vollsten Respekt dafür!

Kritik in der "Freien Presse"

Sonntag, 4. Februar 2018

Schaut her, ich bins!


Erhöhte Aufmerksamkeit für die Sänger und Orchestermusiker: ein neuer Dirigent im Doppelabend Bajazzo/ Gianni Schicchi. Gestern (am 3.2.) habe ich die Produktion übernommen: natürlich ohne weitere Proben. Bajazzo war neu für mich, Schicchi habe ich selber in Pforzheim 2004 musikalisch geleitet. Viele Informationen galt es zu verarbeiten, beide Stücke sind ziemlich komplex. Und es wird umso schwerer, je weniger man sich auf Musikalität, Können und genaue Werkkenntnis der Kollegen verlassen kann. Gerade Schicchi steht und fällt mit einer gründlichen Einstudierung, aber auch der Bajazzo bietet genug Stoff für ausgiebige musikalische Arbeit - vor Beginn der szenischen Proben...

Alles in allem hats wieder großen Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Klassik am Nachmittag: Mozart in seiner Zeit

Wie wurde Mozart zu dem Genie, als das er bis heute wahrgenommen wird, welche Entwicklung ist an seinen Werken abzulesen? Wie sah das musikalische Umfeld aus, in das Mozart hineinwuchs? Diese Fragen versucht das Konzert der Reihe "Klassik am Nachmittag" am 11.2. 15 Uhr im Kleinen Saal des Kulturhauses Aue zu beantworten.

Es erklingen die Ouvertüre zu Mozarts früher Oper "Lucio Silla", seine frühe g-Moll-Sinfonie, das berühmte Minuett und eine Sinfonie des Zeitgenossen Luigi Boccherini und Ch. W. Glucks bahnbrechende Ballettmusik "Don Juan" (in Ausschnitten).

Dieses Konzert erklingt bereits am 9. Februar um 19.30 Uhr im Kulturhaus "Erzhammer" in Annaberg als Stiftungskonzert für die Theaterstiftung "Ethos".

Konzertbericht im Annaberger Wochenblatt

Montag, 1. Januar 2018

Davon geht die Welt nicht unter...

...oder "Mußte das wirklich sein ???"

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ gestern bei mir das Silvesterkonzert aus der Semperoper Dresden unter dem Motto "100 Jahre Ufa". Taugt dieses Thema wirklich für ein Silvesterkonzert, wo jeder nur leichte Kost und unbeschwerte Unterhaltung erwartet?

Die musikalischen Arrangements waren jedenfalls großartig, opulent, mit allen Raffinessen der Orchestrierungskunst gestaltet - als ob man die Musiken adeln wollte - noch dazu gespielt von einem großartigen Orchester. Und gesungen von Opernsängern: hier gab es das erste Kopfschütteln: für mich stilistisch ziemlich daneben: es sind eben keine Arien, nicht nur schöne Melodien, da gehört die entsprechende Personality dazu, bei singenden Schauspielern wäre das meiste wohl besser aufgehoben. Großartig die Titel des Orchesters Marek Weber: welche Eleganz in der sparsamen Instrumentierung, welche Kunst in der Ausführung. Kammermusik von Feinsten.

Und dann kamen die Titel, die man ohne entsprechende Bilder im Kopf nicht hören kann: richtig, daß man dieses dunkle Kapitel der Ufa-Geschichte streift, auch richtig, daß die Musik durch entsprechende Arrangements gebrochen wird - nur die kritische Auseinandersetzung mit dieser Geschichte ist meiner Meinung nach nichts für ein Silvesterkonzert. Noch dazu in der optisch opulenten Umsetzung und an diesem Ort: da waren Semperopern-Intendanz, Dramaturgie und ZDF wohl zu blauäugig, das ganze wirkte sehr verharmlosend.

Nach meinen eigenen Erfahrungen mit Werken aus dieser Zeit und diesem Umfeld: man darf Werk und Entstehungsgeschichte nicht trennen, naiv zu glauben, daß schöne Melodien nur für sich existieren. Unsere Pflicht besteht in einem kritischen Blick und im sensiblen Umgang mit solcher "kontaminierter" Musik - leider haben sich Semperoper und ZDF dem entzogen. 

Ein Konzert zu diesem Thema ist unbedingt wünschenswert - aber es ist ziemlich ungeschickt, sich im Rahmen einer unkritischen heiteren Silvesterveranstaltung auf dieses hochgradig "verminte" Gelände zu begeben - noch dazu in Sachsen, daß allgemein unter besonderer Beobachtung wegen seiner erstarkenden rechten Tendenzen steht.

Ein gesundes, frohes und glückliches 2018!


Sonntag, 10. Dezember 2017

Alle Jahre wieder...


Rund 1200 Zuhörer dürften in diesem Jahr unsere Weihnachtskonzerte gehört haben: wie immer war das Konzert am 2. Weihnachtsfeiertag in der Nikolaikirche in Aue der Höhepunkt.

Unser Konzertmeister Michael Schmidt glänzte mit Mozarts A-Dur-Violinkonzert, am Anfang verbreitete eine festliche Ouvertüren-Suite von Fasch Weihnachtsstimmung, Jason-Nandor Tomory sang Eyblers "Er ist in Bethlehem geboren" und das berührende "In the bleak midwinter" von Gustav Holst, die 2 Sätze der 11. Sinfonie von Joachim Raff dürften für die meisten Zuhörer eine Novität gewesen sein: sehr stimmungsvolle Winterbilder, die zum Träumen anregten, Nicolais Weihnachtsouvertüre stimmte auf das gemeinsame Liedersingen ein. Besonders "Wenn´s im Winter schneie tut" kam beim Publikum sehr gut an.

Kurz und gut: ein würdiges und schönes Weihnachtsgeschenk - sowohl fürs Publikum als auch fürs Orchester.

Kritik in der "Freien Presse"




Weihnachtslieder zum Mitsingen

Programmheft

Sonntag, 3. Dezember 2017

in memoriam Gotthard B. Schicker



Heute habe ich die traurige Nachricht erhalten, daß Professor Gotthard B. Schicker am 2. Dezember 2017 in Annaberg verstorben ist.

Es ist kaum vorstellbar, daß dieser wache, aufmerksame Beobachter des Erzgebirges nicht mehr in der Stadt zu sehen sein wird: mit seiner journalistischen und schriftstellerischen Arbeit, seinen kritischen Kommentaren und seinen unglaublich inspirierenden Forschungen war er ein fester Bestandteil unseres Annaberger Lebens. Ich verdanke ihm viele wertvolle künstlerische Anregungen und erinnere mich gern und mit großer Trauer unserer vielfältigen Zusammenarbeit und den schönen Stunden, die wir gesellig verbrachten. Ein großer Verlust.



Dienstag, 28. November 2017

Glypho-Gate

Skandalös: Agrarminister Schmidt (CSU) stimmt im Alleingang in Brüssel für die Glyphosat-Zulassung und liefert damit die entscheidende Stimme zur Europa-weiteren Zulassung des Unkrautvernichters. Schon wie beim Dieselgate spielen Gesundheit und Umwelt nur untergeordnete Rollen gegenüber den Belangen der Industrie. Beides CSU-Minister...

Dieser Minister sollte sofort gehen, hier gibt es einen Appell dafür (bitte unterzeichnen):

https://www.campact.de/glyphosat/monsanto-minister/

Sonntag, 26. November 2017

Lady Hamilton in Dessau

Theaterausflug: zur selten gespielten Operette "Lady Hamilton" von Eduard Künneke (1926) gings ins Anhaltische Theater nach Dessau. Es war ein aufschlußreicher Nachmittag: mein Resümee: woanders wird auch nur mit Wasser gekocht und das nicht immer so heiß wie in Annaberg (Eigenlob!).

Ein interessantes Stück, von dem man einige Highlights vielleicht kennt: "Komm mit nach Madrid", "In der Taverne zum Pelikan", "Du hast Augen, von denen man träumt". Musikalisch ist es eine sehr farbenreiche und interessante Partitur, besonders der Anfang vom 3. Akt - eine Nachtszene zwischen Lady Hamilton und Admiral Nelson - ist wunderschön und war auch toll anzusehen: ein Sternenhimmel, der sich leicht bewegte, diffus gestreut durch den durchsichtigen Schleiervorhang, man hat das Schaukeln der Wellen förmlich gespürt.

Die Geschichte um die schillernde Lady Hamilton hat sicher ihr Vorbild in Leo Falls "Madame Pompadour" (1922), keine platte Huldigung der Person, eher eine (moralisch) durchaus provokante Geschichte und passend in die 20ger Jahre.

Wenn man das Programmheft liest, hat man´s nur schwer verstanden - aber auf der Bühne wird es sofort klar, wer mit wem und warum. Enttäuschend: die Sänger wurden beim Singen fast durchgängig verstärkt. Bei den Melodramen macht es sicher Sinn, aber bei den gesanglich anspruchsvollen - opernhaften - Nummern reibt man sich doch etwas die Augen - zumal das Orchester sehr diskret - für meinen Geschmack zu zaghaft - agierte. Mir fehlte der freche Schmiß, besonders in Zwischenspielen, der den Zuhörer mitreißen soll. Und so fühlen sich die ersten beiden Akte ziemlich lauwarm an - obwohl sie Szene wunderschön aussieht, der Chor sehr gut agiert und singt und auch die Solisten ihr bestes geben. Nach der Pause wird man dann aber durch den wunderschönen Beginn überwältigt und mitgetragen.

Schön, daß sich gerade Dessau des Stücks angenommen hat: die Wörlitzer Villa Hamilton, ein Nachbau der Originalvilla aus Neapel nebst des Vulkans ist auf der Bühne zu finden und sorgt für einen Aha-Effekt; auch Goethe selbst ist mit seiner Italien-Bewunderung zu erleben. Klasse.

Wird es das Stück auch auf andere Bühnen schaffen? Interessant ist es allemal und eine schöne Bereicherung des üblichen Repertoires, es rückt eine geschichtlich hochinteressante Frau in den Mittelpunkt, es gibt tolle Musik, vielleicht muß es noch mehr zünden. Und es ist nicht einfach zu besetzen, man sollte doch große Stimmen damit besetzen, die Ambitionen Künnekes gingen eindeutig in diese Richtung.

Freitag, 17. November 2017

WOW!

Klare Worte aus dem Annaberger Rathaus: Bürgermeister aus 21 sächsischen Orten kritisieren die aktuelle Landespolitik, nachzulesen hier. Klar ist spätestens seit der letzten Wahl, daß es ein "Weiter so!" nicht geben kann, will man der AfD nicht noch mehr Wähler in die Arme treiben: das Gefühl, abgehängt vom modernen Leben zu sein, auf dem Lande zu "vergammeln", kennen hier viele Menschen. Und Kaputtsparen statt Entwickeln kann auch keine Lösung sein, um Leben hier in der Region attraktiv zu machen. Danke OB Schmidt!

Samstag, 11. November 2017

Schülerkonzert in Schneeberg


Am Freitag, den 10.11.2017 haben wir wieder ein Schülerkonzert zum Thema Mozart in der Marchwitza-Grundschule in Schneeberg veranstaltet:  Jason-Nandor Tomory hat es erneut geschafft , Begeisterungsstürme als Papageno und Figaro bei den Kids hervorzurufen. Im Gespräch mit den Lehrern stellte sich heraus, daß das für viele Kinder der erste Kontakt mit klassischer Musik oder einem Orchester ist - und die Aufmerksamkeit war sehr groß bei allen. Man hat das Gefühl, eine wichtige und notwendige Arbeit zu leisten, das ist eine große Legitimation und Befriedigung für uns.


Mittwoch, 1. November 2017

Operette in der NS-Zeit

In Leipzig läuft seit Mitte Oktober die "Große Sünderin" von Eduard Künneke, eine Radiokritik von Dieter David Scholz ist hier zu finden.

Mehr zum Thema: Dr. Kevin Clarke über das derzeitige Revival "Arischer" Operetten.

Montag, 23. Oktober 2017

Höre ich Zigeunergeigen...


Es gibt eine Verfilmung von 1932, Richard Oswald, der auch die "Blume von Hawaii" verfilmt hat, führte dabei Regie. Zu sehen ist u.a. die Wiener Theaterlegende Hubert Marischka in der Rolle des Verwalters Bela Török:



Kritik im Annaberger Wochenblatt

Sonntag, 22. Oktober 2017

Konzertmittwoch im Erzhammer



Auch in dieser Saison möchte ich Sie wieder herzlich an 4 Abenden in den Erzhammer zu Kammermusikabenden einladen.

Im 1. Konzert am 8. November erklingt romantische Kammermusik mit Holzbläsern (Werke von Schubert, Weber und Brahms),

im 2. Konzert am 20. Februar 2018 Musik der Gründerzeit - La Belle Epoque (Bettina Grothkopf, Michael Schmidt und ich spielen Werke deutscher und französischer Komponisten).

Das 3. Konzert am 21. März 2018 bringt Virtuose Musik auf 8 Saiten (Hartmut Schill und Tilman Trüdinger spielen Werke von Cassado, Schulhoff, Ysaye und Kodaly),

im 4. Konzert am 25. April 2018 in fis-Moll erklingen Werke des Annaberger Komponisten Peter Gast und des Franzosen Reynaldo Hahn.

Die Konzerte beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Das detaillierte Programm finden Sie hier.


Donnerstag, 28. September 2017

Offener Brief

bitte dringend unterzeichen: es geht darum, eine Besetzung des Kulturausschusses des Bundestages mit AfD-Mitgliedern zu verhindern:

für Freiheit und Vielfalt in Kunst und Kultur!

http://kulturausschuss-schuetzen.de/

Montag, 25. September 2017

Quo vadis, Deutschland?

Bundestagswahl in Annaberg: 30,4% für die CDU, 31% für die AfD und nur 3,2% der Stimmen für die Grünen: da reibt man sich doch ganz schön die Augen. 

Daß die CDU für ihre Politik in Sachsen nicht belohnt werden würde, ist nachvollziehbar - aber daß der rechte Rand / Wutbürger / so starken Zulauf bekommt, ist doch überraschend. 

Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit, seine Unzufriedenheit mit der Regierungspartei umzulenken und mit den Themen Rassismus, Flüchtlinge und Gleichheit der Menschen anders umzugehen?

(Artikel 3 Grundgesetz: (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.) 

Enttäuschend, daß GRÜNE Ideen im Erzgebirge so gar nicht zu Hause sind...

Donnerstag, 3. August 2017

Dieselgate - das Fukushima der Autoindustrie

Was für eine Farce: der sog. "Dieselgipfel" vom 2. 8. 2017 hat die totale Abhängigkeit der Politik von der Autoindustrie gezeigt: ein Verkehrsminister, der sich zum Handlanger der Autobosse machen läßt, eine schon vorgefertigte Abschlußerklärung der Industrie mit einem lächerlichen Ergebnis, das darin besteht, mehr oder weniger so weiterzumachen und den Betroffenen etwas Sand in die Augen in Form eines "Softwareupdates" zu streuen. Damit scheint sich die deutsche Autoindustrie immer mehr ins Abseits zu manövrieren, nachdem beim Thema Elektromobilität der Zug auch schon längst abgefahren scheint (siehe China, Norwegen). Ganz zu schweigen vom verlorenen Vertrauen der Kunden. Skandalös!

Respekt vor Frau Hendricks, die wohl auf ziemlich verlorenem Posten gestanden hat.

Gesundheit der Menschen in den Großstädten? Nachrangig,
Umweltschutz? Egal,
Verkehrswende? Hat noch Zeit, ist noch lange nicht an der Tagesordnung.
Richtige Abgasreinigung? Ist den Konzernen einfach zu teuer. (Stichwort Vorstandsgehälter, Gewinne)

Das alles duldet die Bundesregierung??? Höchste Zeit für einen Wechsel!

Weitere Infos:

Deutsche Umwelthilfe,    Die Grünen

Sonntag, 30. April 2017

Zuviel Licht ist es hier...


Highlight der Saison für mich war das gestrige Dirigat (29.4.) von "Madama Butterfly"- wie bei Nachdirigaten üblich ohne weitere vorherige Proben. Spannende Fragen dabei: wie gut kann man so eine Vorstellung vorbereiten, wie gut sich in die Sänger hineinversetzen und wie gut das Orchester mit der Bühne in Einklang bringen. Viel Information galt es "zu verarbeiten": ca. 500 Seiten Partitur zu lernen, dazu das gründliche Studium unserer Fassung. 

Es hat riesengroßen Spaß gemacht und war ein ziemlicher Kraftakt - zumal aus der Orchestergraben-Perspektive die Dinge dann doch anders klingen als aus dem Saal oder von einer Aufnahme. Großen Dank ans Orchester: hellwache Kollegen, die mich wunderbar unterstützten, großen Respekt vor unseren tollen Solisten!

Montag, 27. März 2017

Fliege Deinen Traum, Wie Melodien, Zigeunerweisen, Habanera, Glückauf!

Was für eine Woche: letzten Montag und Dienstag war ich mit Peter Pan beschäftigt, Mittwoch mit unserem Liederabend, Donnerstag haben wir "Carmen" für die Greifenstein-Aufnahmen probiert, Freitag war Konzertprobe für das Frühlingskonzert in Stollberg mit Herrn Nikitenko, Samstag vormittag Carmen-Sängerprobe, abends "Obersteiger" und Sonntag das Frühlingskonzert in der Jacobi-Kirche in Stollberg. So viel verschiedene Musik im Kopf, so viele Baustellen - ich habe einen tollen Beruf!

Dienstag, 14. März 2017

Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn

Zu einem romantischen Liederabend möchten wir ganz herzlich in den Erzhammer einladen: am 22. März um 19.30 Uhr erklingen dort Lieder von R. Schumann, H. Wolf, J. Brahms und E. Grieg, gesungen von Therese Fauser (Mezzosopran) und Jason-Nandor Tomory (Bariton).

Hier finden Sie das genaue Programm.

Kritik im Annaberger Wochenblatt

Samstag, 11. Februar 2017

Kammermusik im Erzhammer

Zu einem Kammermusik-Abend möchte ich hiermit herzlich in den Erzhammer (Haus des Gastes) Annaberg einladen: am 22. Februar um 19.30 Uhr erklingen dort Werke böhmischer Meister: wir spielen das Horn-Quintett von Anton Reicha E-Dur op. 106 und das Klavierquintett A-Dur op. 81 von Antonin Dvorak.

Solist im Reicha-Quintett ist Andreas Pöche, Hornist im Leipziger Gewandhausorchester; im Streichquartett spielen Dirk Bores (1. Violine), Sophie Keiter (2. Violine, nicht auf dem Foto), Katharina Overbeck (Viola) und Viktoria Tater (Cello), weitere Details hier.

Freitag, 20. Januar 2017

Und die Musi spielt dazu

Bernhard Grun schreibt in seiner Kulturgeschichte der Operette über den Komponisten: "Waren Dostals Operetten aber immerhin kunstgerecht und technisch sauber gearbeitet, so ließen die Fred Raymonds (1900-1954) jedes höhere kompositorische Können vermissen....Unoriginalität, die Anwendung verbrauchter Klischees und Requisiten, das dreiste Kopieren des hundertmal Dagewesenen und tausendmal Abgelehnten waren zum Prinzip erhoben worden. Die "Etwas-Ähnliches"-Richtung hatte den Endsieg davongetragen."

Starke Worte - und dennoch nicht aus der Luft gegriffen. Das Werk (Uraufführung 1938) hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck: man wandelt ständig auf den Spuren des "Weißen Rößls", das während der NS-Zeit nicht gespielt werden durfte; enge Parallelen gibt es bei den Rollenklischees und den musikalischen Formen. Paul Abraham läßt musikalisch grüßen (z.B. "Reich mir die Hände" - ein English Waltz, der sehr an "Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände" erinnert). Auch das "Schwarzwaldmädel" Leon Jessels stand bei einigen Figuren Pate: Knopp ähnelt doch sehr dem Berliner, den es in die Berge verschlägt, Frank Rex dem Hans, der vor einer ihm nachstellenden Frau flieht.

Trotzdem wird die Musik über weite Teile zum Ohrwurm, vermutlich, weil sie so einfach gestrickt und eingängig ist. Und man muß anerkennen, daß z. B. das "How do you do" eine wirkungsvolle Vorlage für  spätere Swingfassungen wurde, "Der Großpapa von Großmama" eine zündende Musiknummer ist, der Walzer "Salzburger Nockerln" Schwung hat. Man wird sicher das Haus mit guter Laune verlassen, - zumal wir (Regisseur Urs Alexander Schleiff, Choreografin Kirsten Hocke und Bühnenbildnerin Marlit Mosler) uns große Mühe gegeben haben, das Stück zu straffen, zu verdichten und von zuviel Süße (Kitsch) zu befreien - sich fragend, ob es in unserer Zeit wirklich keine anderen Sorgen gibt.

Unbeschwerte Unterhaltung? Nicht ganz...

[update] Ich habe heute einen unglaublich erhellenden Artikel von Stefan Schmidl aus Wien im Netz zum Thema gefunden - das Kapitel wird immer dunkler...

Bernhard Doppler hat einen Bericht über "Operette unterm Hakenkreuz" bei MDR Kultur im Opernmagazin vom 21.1.2017 gemacht - hier nachzuhören

Montag, 9. Januar 2017

Erzgebirge Schlußlicht bei Durchschnittseinkommen in Deutschland

Nun steht es schwarz auf weiß auf dem Papier: der Erzgebirgskreis ist mit einem monatlichen Brutto-Durchschnittseinkommen von 2036 € die ärmste Region Deutschlands - gegenüber 4610 € in Wolfsburg (siehe Focus), der bundesweite Schnitt beträgt 3084 €. Da ist die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West doch ziemlich weit entfernt. 

Natürlich merken wir das auch im Theater: Lohnverzicht durch Haustarifvertrag - seit mehr als 10 Jahren! - und kein Ende in Sicht. Von einer ausreichenden finanziellen Ausstattung - um normal zu arbeiten - sind wir auch sehr weit entfernt....

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Es weihnachtet sehr


Pünktlich zur Adventszeit wird die in der letzten Spielzeit außergewöhnlich erfolgreiche Bergmannsoperette "Der Obersteiger" von Carl Zeller wieder in den Spielplan aufgenommen: die "Peremett" und die Bergkapelle auf der Bühne passen wie gemacht in die Vorweihnachtszeit und spiegeln die Atmosphäre, die man dieser Tage in der Stadt erlebt.

Auch das Weihnachts-Sinfoniekonzert steht vor der Tür: im ersten Teil wird vorwiegend italienische Musik erklingen: das Violinkonzert G-Dur von Antonio Vivaldi, gespielt von der jungen Geigerin Lea Preiß, und die "Antiche Danze Nr. 1", eine Suite von Ottorino Respighi nach Themen italienischer Musiker aus dem 16. Jahrhundert. Auch das Concerto Pastorale von Johann Melchior Molter, einem deutschen Barockkomponisten, dürfte von den weihnachtlichen Werken italienischer Meister inspiriert worden sein.

Im 2. Teil erklingen mit Humperdincks Ouvertüre zu "Hänsel und Gretel" und Ausschnitten aus Tschaikowskis "Nußknacker" - Ballettmusik die Weihnachtshits schlechthin; beide Werke sind etwa zeitgleich (1892/93) entstanden. Und am Ende erhält das Publikum wieder die Gelegenheit zum Mitsingen, hier kann man schonmal die Lieder üben.

Die Konzerte finden am 19. und 20. 12. jeweils um 20 Uhr im Annaberger Theater statt, das 3. Konzert am 26. 12. um 19.30 Uhr in der Nikolaikirche in Aue.


Montag, 24. Oktober 2016

Kammermusik im Erzhammer

Auch in dieser Saison gibt es wieder Konzerte für Freunde der Kammermusik im Erzhammer; ein Schwerpunkt bildet dabei die Musik unserer tschechischen Nachbarn.

- am 16. November spielt das Saxonia Piano Trio Schuberts Klaviertrio B-Dur op.99 und Smetanas Klaviertrio g-Moll op.15

- am 22. Februar 2017 wird das Konzert "Böhmische Meister", das letzte Saison wegen Krankheit entfallen war, nachgeholt: Andreas Pöche, Hornist des Leipziger Gewandhausorchesters, musiziert gemeinsam mit Annaberger Musikern Reichas Hornquintett E-Dur op.106, außerdem erklingt Dvoraks Klavierquintett A-Dur op.81

- am 22. März 2017 singen Therese Fauser und Jason-Nandor Tomory vom Winterstein-Theater Lieder von Schumann, Grieg, Brahms und Wolf; unter dem Titel "Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn" gestalten die Künstler einen romantischen Liederabend

- am 26. April 2017 spielt das Robert-Schumann-Quartett Chemnitz Schuberts Quartettsatz c-Moll D.703, Beethovens Streichquartett F-Dur op.135 und Janaceks Streichquartett Nr. 2 "Intime Briefe"

Die Konzerte beginnen jeweils 19.30 Uhr.


Sonntag, 9. Oktober 2016

Die andere Seite des Erzgebirges

Flucht und Vertreibung - ein Thema, das in unserer Gesellschaft und Zeit allgegenwärtig ist. Daß es auch verstörende Geschichten darüber im Erzgebirge gibt, wissen wohl die wenigsten: das ist ein Thema, über das in meiner Schulzeit nicht gesprochen wurde. Dabei läßt sich die Geschichte gleich hinter der Grenze "erfahren": es reicht eine (Auto-oder Fahrrad-)Fahrt von Vejprty (Weipert) Richtung Chomutov (Komotau).



 Zunächst kommt man an den Preßnitz-Stausee am Fuße des Haßbergs. Auf einer großen Tafel findet man die Baugeschichte der Anlage, als Fußnote den Hinweis auf die ehemalige Freie Bergstadt Preßnitz, die plattgemacht wurde, als der Stausee angelegt wurde. Eine Stadt mit einer bedeutenden - auch musikalischen - Geschichte... (lesenswert: Guntram Vesper: "Frohburg", er erzählt auch über die Preßnitzer Harfenspielerinnen.)













Noch gespenstischer wird es, wenn man weiterfährt: nur noch ein Bahnhäuschen am Haltepunkt Rusova erinnert an Reischdorf. Ein Ort, der völlig ausradiert wurde. Bei weiterer Recherche stößt man auf das Thema Vertreibung der Sudetendeutschen 1946 als Folge der Benes-Dekrete, 3,5 Millionen Deutsche sollen demnach nach dem 2. Weltkrieg die Gegend verlassen haben, ausgesiedelt worden sein; Spuren dieser Aktion findet man in allen Orten auf der tschechischen Seite des Erzgebirges: Städte und Dörfer, die große Teile ihrer Bevölkerung verloren haben und von deren Glanz wenig übrig ist.


Ein Stück weiter kommt man zum "Dom des Erzgebirges": in Vysluni (Sonnenberg) steht eine Kirche, die schon von weitem völlig überdimensioniert für diesen Ort wirkt. Im Innern der Ruine findet man eine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte dieses Ortes - ein ehrenwerter Versuch, sich der ganzen Geschichte zu stellen, zu erinnern.

Was auffällt, daß auf offiziellen Homepages solcher Orte wie Chomutov wenig zur Geschichte der Deutschen, die diesen Ort maßgeblich geformt haben, steht - nachwievor ist das Thema mehr oder weniger verdrängt, eine echte Aufarbeitung und Anerkennung von Unrecht eher der Ausnahmefall. 

Offensichtlich gibt es hier noch einiges genau zu erforschen und zu benennen - wichtig ist die Kenntnis dieser Vorgänge und deren Ursachen - gegen das Vergessen und Verdrängen!

Samstag, 27. August 2016

Da wird einem schwindlig...

Die sächsische Regierung hat im Rechststreit mit Serge Dorny, dem 2014 noch vor seinem Amtsantritt fristlos gekündigten Opernintenanten der Semperoper, eine Niederlage erlitten: das Oberlandesgericht Dresden entschied, daß die Kündigung nicht rechtens gewesen sei. Auf Sachsen kommen nun wahrscheinlich finanzielle Forderungen zu. 

Die Summen, um die es geht, lassen einen schwindlig werden: das geplante Intendanten-5-Jahresgehalt lag wohl bei 1,5 Millionen Euro, das sind pro Jahr 300.000, im Monat 25.000 Euro...das entspricht dem 8-10-fachen eines Theatermitarbeiters in Annaberg. Auch wenn der Vertrag sicher nicht ausbezahlt wird, ist abzusehen, daß ziemlich viel Geld für diese Entscheidung fällig werden wird und damit nutzlos verloren ist. 

Wer kommt eigentlich dafür auf? Wird diese Summe aus der Kultur-"Portokasse" bezahlt? Muß die Semperoper dafür einen Beitrag leisten? Wird jemand persönlich für diese Entscheidungen haftbar gemacht? 

Einmal mehr wird sichtbar, wie groß mittlerweile der Abstand zwischen einem Stadttheater und der sogenannten Hochkultur ist: auf der einen Seite teilweise Mindestgagen, Haustarifvertrag mit Gehaltsverzicht und fehlende Produktionsgelder - auf der anderen Seite üppige Gehälter und die schützende Hand der Staatsregierung. 

Unsolidarisch, ungerecht, unfair.

Gerade ist eine Studie von Maximilian Norz in Zusammenarbeit mit der Kulturpolitischen Gesellschaft erschienen, die sich mit der Arbeitssituation von Künstlern beschäftigt; wenig überraschend ist die prekäre Situation der meisten Künstler: über 40 % gaben an, ein Jahresgehalt unter 10.000 Euro zu verdienen...

Donnerstag, 25. August 2016