Sonntag, 14. April 2019

Plauener "Königskinder"

Nachdem wir im letzten Weihnachtskonzert die Konzertouvertüre aus den "Königskindern" von Humperdinck gespielt hatten, war ich sehr neugierig, die komplette Oper einmal auf der Bühne zu erleben. Dazu hatte ich in Plauen Gelegenheit, wo am 13.4.2019 letztmalig die Produktion des Plauen-Zwickauer Theaters zu sehen und zu hören war.

Kurz gesagt: es war großartig, Bravo und Gratulation zu dieser grandiosen Leistung!

Das Orchester war hinter den Sängern auf der Bühne plaziert, die dadurch die Vorbühne spielerisch nutzten und direkt bis an die erste Reihe heranspielen konnten. Meine anfängliche Skepsis, daß dadurch viel Klarheit und viele Details/Farben des Orchester verloren gingen, wurde aufgewogen durch den Gewinn an Textverständlichkeit, Sängerpräsenz und die perfekte Lautstärkemischung zwischen Gesang und Orchester - es war den Sängern durchgängig möglich, viele Farben einzubringen und es entfiel die Notwendigkeit, ständig über das Orchester kommen zu müssen bzw. dagegen anzusingen. Auf diese Art hat man wundervolle Piano-Töne bei allen gehört, die Gänsehaut erzeugten und das Gehör unglaublich sensibel einstellten - eine Seltenheit bei solch spätromantischen Opern.

Gratulation den Protagonisten des Stückes: Marija Mitić (Gänsemagd), Wonjong Lee (Königssohn) und Sebastian Seitz (Spielmann) erwiesen sich als die perfekten Sänger für dieses Stück: wunderschöne hochkultivierte und ergreifende Stimmen; mit den Tugenden des Liedgesangs konnten sie ohne je zu forcieren die Partien ausdrucksstark gestalten. Durch die große Nähe zum Publikum bekamen die Szenen etwas Kammerspielartiges, so deutlich konnte man die Geschichte auch in den Gesichtern mitlesen.

Bravo an das Orchester und seinen Dirigenten GMD Leo Siberski: wundervolle Klangfarben wurden entfaltet, das ganze hatte einen schönen und organischen Fluß, die nötige Leidenschaft, die Koordination mit den bestens studierten Sängern gelang wundervoll.

Der gutgefüllte Zuschauerraum hat sicher auch die Theaterleitung darin bestätigt, diese Rarität auf den Spielplan gesetzt zu haben, für mich bot der Abend ein großes eindrückliches Erlebnis.

Natürlich wird auch in Plauen (nur) mit Wasser gekocht: so waren auch Sänger zu hören, die der Nähe zum Publikum mißtrauten und durch unnötiges Forcieren den Zauber der Musik beeinträchtigen, der Chorklang konnte mit den Protagonisten nicht mithalten, die Vorstellung wurde am Beginn des 3. Aktes, der ziemlich leise ist, durch laute Geräusche aus dem Foyer gestört - aber das erlebt man auch an anderen Häusern, das nicht immer die Sensibilität fürs Bühnengeschehen vorhanden ist.

Weiter auf diesen Weg, das war eine Bravourleistung! Auch sollte man diese neue Sängerriege weiter im Auge haben!

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